Felix A. Theilhaber

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Felix Aaron Theilhaber (geb. 5. September 1884 in Bamberg, gest. in Tel Aviv) war Hautarzt und Autor.

Nach dem ersten Semester des Medizin-Studiums liess er sich 1906 auf einem Schiff nach Palästina anheuern, um dort als Landarbeiter von Siedlung zu Siedlung zu wandern. Zurück in München nahm er sein Studium wieder auf.

Turnbewegung, Zeitschrift Palästina

Während dem Studium war Theilhaber aktiv in der Turnerbewegung.

Von 1908 bis 1910 Herausgeber und Redaktor der in München erscheinenden Monatsschrift Palästina.1 Ab Heft 7/8 1910 erschien die Zeitschrift mit einer neuen, erweiterten Redaktion unter Mitwirkung von Teilhaber.2

In der Nr. 2 1908 wurde darauf hingewiesen, dass Jaffa nun auch ein jüdisches vegetarisches Speisehaus habe.3 In der Nr. 10 ein Beitrag von Franz Oppenheimer “Zur Theorie der Kolonisation”.4 und

Unter der Leitung von Theilhaber erschien 1910 in Heft 1 etwa ein Beitrag von [[Davis Trietsch]] über die Gartenstadtbewegung5

1910 schrieb Theilhaber seine Dissertation Zur Lehre von dem Zusammenhang der sozialen Stellung und der Rasse mit der Entstehung der Uteruscarcinome.

Franz Kafka über Theilhaber

1911 erschien mit der Untersuchung Der Untergang der deutschen Juden. Eine volkswirtschaftliche Studie sein erste Buchveröffentlichung.

1912 besuchte auch Franz Kafka einen Vortrag von Theilhaber. Er vermerkt darüber in seinem Tagebuch:

Vor einer Woche Vortrag Dr. Theilhaber im Festsaale des Jüdischen Rathauses über den Untergang der deutschen Juden. Er ist unaufhaltbar, denn erstens sammeln sich die Juden in den Städten, die jüdischen Landgemeinden verschwinden. Das Streben nach Gewinn verzehrt sie. Ehen werden nur mit Rücksicht auf die Versorgung der Braut geschlossen. Zwei-Kinder-System. Zweitens : Mischehen. Drittens: Taufen.

Komische Szenen, als Professor Ehrenfels, der immer schöner wird und dem sich im Licht der kahle Kopf in einer gehauchten Kontur nach oben abgrenzt, die Hände aneinander gelegt und gegenseitig drückend, mit seiner vollen, wie bei einem Musikinstrument modulierten Stimme, vor Vertrauen zur Versammlung lächelnd, für Mischrassen sich einsetzt.

Militärdienst und Sexualreform

1913 war Theilhaber Mitbegründer der Gesellschaft für Sexualreform deren Vorsitzender er wurde. Im selben Jahr erschien seine Arbeit Das sterile Berlin. Eine volkswirtschaftliche Studie.

Theilhaber war aktiv in der Akademischen Gruppe für Sexualreform, Berlin, die dem Deutschen Bund für Mutterschutz und der Internationalen Vereinigung für Mutterschutz und Sexualreform angeschlossen war.6

Er verschiedene mehrere Beiträge in der Zeitschrift Zeitschrift für Sexualwissenschaft ((Die Zeitschrift verstand sich als “Internationales Zentralblatt für die Biologie, Psychologie, Pathologie und Soziologie des Sexuallebens” und war offizielles Organ der Ärztlichen Gesellschaft für Sexualwissenschaft und Eugenik in Berlin. Herausgegeben wurde sie von A. Eulenburg und Iwan Bloch.)), die seit 1914 erschien, und in der Zeitschrift Die neue Generation.

Herausgeber der Schriftenreihe Beiträge zum Sexualproblem.

Daniel-Bund

1919 wurde er Präsident des Daniel-Bunds.

Veröffentlichungen

Monografien

  • Der Untergang der deutschen Juden. Eine volkswirtschaftliche Studie, München 1911. Digitalisat
  • Das sterile Berlin. Eine volkswirtschaftliche Studie, Berlin 1913.
  • Schlichte Kriegserlebnisse (Lamm’s Jüdische Feldbücherei, Nr. 7). Berlin 1916. Digitalisat
  • Die Juden im Weltkriege. Mit besonderer Berücksichtigung der Verhältnisse für Deutschland, Berlin 1916. Digitatlisat und Digitalisat
  • Jüdische Flieger im Kriege. Ein Blatt der Erinnerung, Berlin 1919.
  • Jüdische Flieger im Weltkrieg, Berlin 1924. Dem Reichsbund jüdischer Frontsoldaten gewidmet. Geleiwort von Wilhelm Siegert. Digitalisat
  • “Dein Reich komme! Ein chiliastischer Roman aus der Zeit Rembrandts und Spinozas, Berlin 1925.
  • Goethe, Sexus und Eros, Berlin 1929.
  • Schicksal und Leistung. Juden in der deutschen Forschung und Technik.
  • Beim roten Halbmond vor Tripolis (Schaffsteins Grüne Bändchen, 28).

Veröffentlichungen als Herausgeber

  • Blutwunder und Liebeswahn (Beiträge zum Sexualproblem, Heft 17), Berlin 1929.

Vorwort

  • Alfons Schoene, Nacktkörperkultur. Ein Weg zur Gesundung unseres Geschlechtslebens. Vortrag, gehalten in der Gesellschaft für Sexualreform, Berlin. Berlin 1924.

Veröffentlichungen in Periodika

Literatur

  • E. Freudenthal, “Worte des Gedenkens anlaesslich der Trauerfeier fuer Dr. Felix A. Teilhaber am 7. 3. 1956”, Leo Back Institute AR 6567. Online
  • Hans Lehfeldt, ¨Ärztliche Pioniere der Sexualreform. Magnus Hirschfeld, Ernst Gräfenberg und Felix A. Teilhaber”, in: Mitteilungen der Magnus-Hirschfeld-Gesellschaft, Nr. 5, März 1985. Online
  • Renate Heuer, “Felix Aron Theilhaber (1884–1956), Arzt und Statistiker des deutschen Judentums”, S. 292.
  • Volkmar Sigusch, “Felix A Teilhaber”, in: Volkmar Sigusch, Günther Grau (Hrsg.), Personenlexikon der Sexualforschung, Frankfurt, New York 2009, S. 697-701.
  • Eva Edelmann-Ohler, in: Andreas Kilcher (Hrsg.), Metzler Lexikon der deutsch-jüdischen Literatur

Links

  1. Palästina erschien als Vgl. Palästina. []
  2. Vgl. “An unsere Leser”, in: Palästina, 7. Jahrg., 1910, Nr. 7/8, S. 107. (Online). []
  3. S. 30 (Online). []
  4. (Online). []
  5. “Gartenstadtbewegung”, in: Palästina, 7. Jahrg., Nr. 1, 1910, S. 26-27 (Online). []
  6. (Online []