Dolorosa

Dolorosa (eigentl. Maria Eichhorn) kam am 11. November 1879 in Giersdorf im Riesengebirge zur Welt1 und starb am 3. Oktober 1930 in London.2

Dolorosa, deren Vater Oberförster war, besuchte bis zu dessen Tod 1896 die Klosterschulen der Ursulinerinnen in Liebenthal (Lubomierz) und in Breslau. In Breslau wurde sie Privatsekretärin, dann Erzieherin in Südungarn, danach Journalistin.

Seit 1899 lebte Dolorosa in Berlin. Dort verkehrte sie im Kreis der literarischen Gesellschaft Die Kommenden. Der Schriftsteller Jakob Elias Poritzky schreibt über ihre Auftritte dort:

Da traf man die Lyrikerin Dolorosa (wir nannten sie “die tolle Rosa”), die mit verzückten oder krampfhaft geschlossenen Augen und bleich wie Kalk ihre bluttriefenden masochistischen Gedichte vortrug, in denen stets die Sehnsucht nach Prügeln herrschte. Ich weiß nicht, wer sie ihr gab.3

Ihre Ehe, die sie mit dem Schriftsteller Wilhelm Fischer zu jener Zeit einging, wurde bald wieder geschieden.

Unter dem Namen Dolorosa veröffentlichte sie 1901 und 1902 regelmässig Gedichte in den jüdischen Periodika Die Welt und Ost und West. Diese erschienen 1902 als Teil des Gedichtbands Confirmo te chrysmate, zu dem E. M. Lilien den Einband entwarf. Ihm widmete sie beim Abdruck 1901 in Die Welt das Gedicht Passah. Ein weiteres Gedicht, Psalm 126, widmete sie ebenfalls beim Abdruck 1901 in Die Welt Heinrich Loewe, “der mich zum Zionismus geführt hat.” Den Teil der jüdischen Dichtungen in Confirmo te chrysmate unter dem Titel “‘Schare Zion’. In den Thoren Zions” widmete sie dem Zionisten Berthold Feiwel.

“Unter diesem Namen beinahe berühmt. Trägt in Kabaretts ernste Lyrik vor. Sängerin der Perversität.”4

Maria Eichhorn lebte in Berlin.5 1908 nahm sie Wohnsitz in Konstantinopel.

Um 1902 vertonte der Komponist Alban Berg von Dolorosa das Gedicht [[Über meinen Nächten]] für Singstimme und Klavier, das heute zur Gruppe seiner Jugendlieder gezählt wird.

Veröffentlichungen

Übersetzungen

Veröffentlichungen in Periodika

Quellen

Literatur

  • Anna Siblik, Schmerzlich vergessen. Dolorosa, Rachilde und Leopold von Sacher-Masoch, 2013.
  • Anna Magdalena Siblik, Untersuchung der Motivik in ausgewählten Werken Dolorosas alias Maria Eichhorns mit kurzen Ausblicken auf Rachilde und Leopold von Sacher-Masoch, Diplomarbeit Universität Wien, Wien 2011. Online
  • “Eichhorn, Maria”, in: Franz Brümmer (Bearb.), Lexikon der deutschen Dichter und Prosaisten vom Beginn des 19. Jahrhunderts bis zur Gegenwart, 2. Bd., 6. Aufl., völlig neu bearb. und stark vermehrte Aufl., Leipzig, 1913, S. 120. Online
  • Albert Eulenburg, “Eine Dichterin des Masochismus”, in: Die Zukunft, 1902, 41, S. 385-388.
  • “Auswüchse in der modernen Frauenlyrik”, in: Remscheider General-Anzeiger, 14. Jahrg., 12. August 1902, Nr. 186, S. 3-4. Online

Links

  1. Sp. 310, Online. []
  2. Todesnachricht in: Die Literatur, 33. Jahrg., Oktober 1930 – September 1931, S. 179. []
  3. Jakob Elias Poritzky []
  4. S. 114. Online []
  5. 1905 an der Liesenstr. 4. Vgl. ebda. []
  6. “Der Roman schildert zwei Familien, von denen die eine durch Unfruchtbarkeit, die andere durch allzugrosse Fruchtbarkeit untergeht. Großstadt-Tragödie in dezenter Darstellung. (So auch die andern Bücher der Verfasserin.)” Hugo Hayn und Alfred N. Gotendorf (Hrsg.), Bibliotheca Germanonorum Erotica & Curiosa. Verzeichnis der gesamten Deutschen erotischen Literatur mit Einschluß der Übersetzungen, nebst Beifügung der Originale, Band II (D—G), zugleich dritte, ungemein vermehrte Auflage von Hugo Hayns “Bibliotheca Germanorum erotica”, München 1913, S. 55, Online []